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Stadt Oberviechtach  |  E-Mail: rathaus@oberviechtach.de  |  Online: http://eisenbarth.oberviechtach.de

JOHANN ANDREAS EISENBARTH

 

Eisenbarth-Kupferstich

Der Berliner Kupferstich von 1717 zeigt Eisenbarth im Alter von 54 Jahren auf dem Höhepunkt seines

Ruhms.

Informationen über Leben, Wirken und Berufsstand von Johann Andreas Eisenbarth (1663-1727)

 

Johann Andreas Eisenabrth ist am 27.03.1663 in Oberviechtach geboren. Sein Vater, Mathias Eisenbarth, war Oculist (Augenarzt), Bruch- und Steinschneider, also Wundarzt, in Oberviechtach. Er musste seinen Beruf als Wanderarzt ausüben, um genug zu verdienen. Der junge Eisenbarth blieb 10 Jahre in Oberviechtach und besuchte hier auch die Schule. Dann kam er zu seinem Schwager Biller in Bamberg und erlernte bei ihm das Handwerk seines Vaters. Diese Tatsachen ergeben sich aus dem Gesuch Eisenbarths um ein Privileg. Diese Eingabe enthält seinen ausführlichen Lebenslauf. Die Wundärzte standen damals beruflich etwa in der Mitte zwischen Handwerkern und studierten Ärzten. Akademische Ärzte nahmen selbst keine Eingriffe am menschlichen Körper vor.

Auf diesem Gebiet wurden Wundärzte tätig. Nach abgeschlossener handwerklicher Lehre legten die künftigen Wundärzte vor Innungsmeistern die Gesellenprüfung ab. Zur selbständigen Ausübung des Berufs war noch ein Privileg des Landesherrn nötig. In der Regel wurde das erst nach einer Prüfung des Bewerbers durch ein Medizinalkollegium studierter Ärzte gewährt. Der Bericht vom 29. Juli 1686, den die akademischen Ärzte über Eisenbarths Prüfung in Altenburg erstellt hatten, ist erhalten. In ihm wird bescheinigt, dass Eisenbarth "von Ober Viechta bürtig" war. Die Ärzte versuchten schon damals mit allen Mitteln Eisenbarths Privileg zu hintertreiben, weil sie eine Schmälerung ihrer Einkünfte befürchteten. In Altenburg wurde, wie die vom Fürsten veranlassten Erhebungen ergaben, ein tüchtiger Wundarzt benötigt.Bühne Da sich Eisenbarth als geschickt und kenntnisreich erwies, auch eine Anzahl erfolgreicher Behandlungen nachweisen konnte, ferner die Auskünfte über ihn günstig lauteten, erhielt er sein Privileg. Damit begann eine Laufbahn ohnegleichen, wie sie die kühnste Phantasie eines Dichters nicht bunter und bewegter hätte erfinden können. Es begann ein abenteuerliches Leben, das Eisenbarth auf seinen Reisen durch ganz Deutschland volkstümlich machte, ihm Ruhm, Ehren und Wohlstand eintrug; er wurde zum bekanntesten und berühmtesten Arzt, der je über die deutschen Straßen zog. Heute ist sein Wirken in mehr als 100 Orten nachweisbar. Bisher sind 11 Privilegien nachgewiesen, die ihm erteilt wurden. In der Regel musste sich Eisenbarth vor jedem weiteren Privileg einer erneuten Prüfung vor einem Ärztekollegium unterziehen. Von weltlichen und geistlichen Fürsten wurde er mit Auszeichnungen, Titeln und Ehren überhäuft. Immer wieder konnte er auf Anerkennungsschreiben hochgestellter Persönlichkeiten und auf eine erstaunlich hohe Zahl erfolgreicher Operationen hinweisen. Um sich im Lebenskampf zu behaupten, musste er seine Wettbewerber durch übersteigerte, großsprecherische Anpreisungen und ein übertriebenes Auftreten übertrumpfen. Auf diesem Gebiet wurde er unübertroffener Meister, ein deutscher König der Werbung.Säge In seiner Glanzzeit führte er 120 uniformierte Bedienstete und die benötigten zahlreichen Fahrzeuge mit sich. Er reiste mit fürstlichem Prunk. Sein Kommen kündigte er in Flugblättern und Zeitungsanzeigen an. Ausrufer priesen seine beispiellosen, erfolgreichen Operationen, Heilungen und Arzneien, verlasen Anerkennungsschreiben und Privilegienbriefe. Trommelwirbel und Trompeten erklangen und ließen die Leute auf den Märkten zusammenlaufen. Wenn die Erwartung auf dem Höhepunkt war, erschien Eisenbarth in prunkvoller Karosse, kostbar gewandet, mit langer Allongeperücke, in der Hand den Ärztestab, und stellte sich der wartenden Menge vor: "Ich bin der berühmte Eisenbarth!". Dann begann eine große Schau. Er ließ Feuerspeier, Degenschlucker, Schlangenbeschwörer, schöne Frauen, aber auch Neger auftreten, die mit ihren Späßen das Volk belustigten.Trepan Er zog die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich und brachte seine Wettbewerber, denen die Leute davongelaufen waren, in Wut und Verzweiflung. Am meisten verübelten sie ihm wohl, dass er bei aller Großsprecherei wirklich etwas konnte, dass er ein hervorragender Wundarzt war. Er arbeitete geschickt und Chirurg oder Aufschneider Eisenbarthbrunnen in Oberviechtach sehr schnell, so dass sachkundige Zeugen verblüfft waren. Mit einfachen, aber zweckmäßigen Mitteln erzielte er gute Erfolge. Er operierte in Wirtschaften oder im Zelt, ohne Narkose, wie wir sie heute kennen. Laute Musik lenkte von dem bevorstehenden Eingriff ab und übertönte etwaige Schmerzensschreie der Patienten. Arme behandelte er umsonst. Dafür nahm er reichen Kranken möglichst viel ab. Viele seiner Operationsmethoden, so etwa bei Hodenbruch, Kropf und Star, wurden von der Schulmedizin übernommen.Starnadeln Eisenbarth nannte sich nie Doktor und stand demnach unter studierten Ärzten, aber über Quacksalbern und Kurpfuschern. Die Wurzeln des Spottliedes sind womöglich im Neid seiner weniger erfolgreichen Kollegen zu suchen. Bei den vielen Operationen blieb der finanzielle Erfolg nicht aus. 1703 erwarb Eisenbarth in Magdeburg das große Haus ,,Zum güldenen Apfel" und machte es zu seinem Standquartier. Heute steht auf dem Starstechinstrumentarium Grundstück das Haus des Rates der Stadt Magdeburg. 1716 ließ der König von Preußen Eisenbarth nach Stargard rufen, um dort seinen Oberstleutnant v. Grävenitz am Auge zu operieren. Der König von Preußen, der im allgemeinen auf die Ärzte nicht sonderlich gut zu sprechen war, wird sich für seinen geschätzten Offizier sicher keinen Stümper sondern den nach seiner Meinung tüchtigsten Chirurgen seiner Zeit geholt haben. Und das war Eisenbarth.Starstich Eisenbarth wurde dann königlich preußischer Rat. 1727 kam Eisenbarth nach Hannoversch Münden. Hier setzte der Tod seinem Wirken ein Ende. Das Eisenbarthwappen Das Spottlied und sein prahlerisches Auftreten hatten Eisenbarth den Ruf eines Kurpfuschers eingetragen. Sein Name wurde unverdient zum Sinnbild für raue Kuren mit schlechtem Ausgang. Die uns überlieferten Tatsachen aber sprechen eine andere Sprache. Eisenbarth war ein Könner in seinem Beruf, ein Arzt, der seiner Zeit voraus war und vielen Kranken geholfen hat. Seine kühnen Operationen erregten Aufsehen bei den Zeitgenossen. Er war auch ein Schalk, der sich geschickt die Gunst der Menge zu erringen wusste. In Oberviechtach wurde 1963 die 300. Wiederkehr seines Geburtstages feierlich begangen und bei dieser Gelegenheit in Gegenwart vieler prominenter Gäste aus ganz Deutschland der Deutsche Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreis mit dem Sitz in Oberviechtach gegründet. Dem Arbeitskreis gehören nahezu alle Schriftsteller und Wissenschaftler an, die sich maßgebend mit der Person Eisenbarths befasst haben. In Zusammenarbeit mit der Eisenbarth-Sammlung des Stadtarchivs Oberviechtach sucht der Arbeitskreis das geistige Erbe Eisenbarths zu wahren und seinen Ruf wiederherzustellen.

 

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Blinde gehn und Lahme sehn- "Ich bin der Doktor Eisenbart" Entstehungsgeschichte des Liedes